Interview mit einem Teilnehmer:

Alice Moustier: A.M.

Teilnehmer: S.T.

A.M: Schön, dass du an diesem Interview teil nimmst. Kannst du dich kurz vorstellen?

S.T.: Ich bin männlich, 46 Jahre alt, verheiratet, habe zwei Kinder und bin selbstständig.

A.M: Was hat dich dazu geführt teilzunehmen? Was sind die Hintergründe?

S.T.: Vor acht Jahren war mein Leben nicht mehr lebenswert, nichts hat mehr Spaß gemacht, selbst die Familie, meine Kinder, meine Frau, hab ich sehr vernachlässigt. Irgendwann wurde es immer schlimmer, dass man selbst die eigenen Hobbys nich mehr wert schätze und sich Gedanken über den Tod macht. Daraus die Selbsterkenntnis: Burnout und depressiv. Das war schlimm.

Ich beschloss mich therapieren zu lassen. Diese Therapie dauerte aber nur ein Jahr. Es hat absolut nichts gebracht, weil der Therapeut eigentlich nicht die Probleme gelöst haben wollte, sondern Tabletten verschreiben… Standardprogramm.

A.M: Aber es war Therapie und nicht nur Psychopharmaka, oder? Was habt ihr in der Therapie gemacht?

S.T.: Geredet und wie man es ändern kann, aber das war im praktischen Leben nicht umsetzbar, klang toll, aber vom wirklichen Leben weit weg.

A.M.: Das ist mir nicht ganz verständlich, kannst du ein konkretes Beispiel nennen?

S.T.: Wenn man Stress auf der Arbeit hat, soll man einfach den Stress nicht mehr nach Hause bringen, sondern eine halbe Stunde spazieren laufen und dann zuhause soll es weg sein. Das funktioniert vielleicht als Angestellter, aber nicht wenn man selbstständig ist und Angestellte hat und somit Verantwortung. Man nimmt die Probleme mit nach Hause vom Geschäft. Wenn man selbstständig ist, ist das so.

A.M.: Warst du nach einem Jahr austherapiert, oder hast du die Therapie abgebrochen?

S.T.: Ich hab sie abgebrochen, weil ich die Tabletten nicht nehmen wollte, obwohl ichs versucht habe, aber die nahmen mir den restlichen Funken Leben. Die halfen mir überhaupt nicht, im Gegenteil, es wurden nur die Symptome behandelt, aber nicht die Ursache. Da ich in meinem Job viel auf den Dächern der Häuser arbeiten muss, ist der Gleichgewichtssinn Grundvoraussetzung, um nicht abzustürzen. Dieser war jedoch durch die Medikamente schwer beeinträchtigt. Die Medikament veränderten mein Wesen, ich war nicht mehr ich selbst.

A:M: Was denkst du war die Ursache deiner Krankheit?

S.T.: Das wollte ich eigentlich vom Therapeuten herausfinden.

A.M: Du hast also verlangt, dass der Therapeut dir das sagt?

S.T: Ja, das wollte ich, aber ich hab gespührt, dass dieser Therapeut mir nicht helfen kann.

A.M Was hast du stattdessen gemacht?

S.T.: Ich bin zu einem anderen gegangen, dem ich meine Sorgen beschrieben habe, meine Ängste und der sagte mir dann, ich kann dir helfen, erwähnte aber von Burnout oder Depressionen erstmal gar nichts. Er gab mir eine Telefonnummer, die ich anrufen sollte.

Als Aufgabe bekam ich, dass ich mich mit meinem Körper beschäftigen sollte. Durch die Art der Aufgaben mit meinem Körper vergaß ich mein eigentliches Problem.

A.M: Was waren das für Aufgaben?

S.T: Es waren Aufgaben, die mich an meine Grenzen und sogar noch weiter brachten. Vom Schamgefühl bis peinliche Situationen, über Dinge reden, über die man eigentlich nicht reden sollte.

A.M: Und das hat dir geholfen? (fragt sie ungläubig)

S.T: Wenn man sich mit einer Aufgabe so stark beschäftigen muss, um sie zu planen, einen Ort zu finden, um sie durchzuführen, muss man sich sehr viele Gedanken machen und diese Gedanken helfen einem, vom eigentlichen Problem abzulenken. Je schwerer, je intensiver, desto noch mehr Gedanken muss man sich machen. Je mehr Gedanken, desto schlechter für die Krankheit. (er lacht)

A.M.: Wie, und paff, warst du gesund?

S.T: es dauerte insgesamt sechs Jahre, jetzt kann man sich mal vorstellen mit wievielen Aufgaben ich es zu tun gehabt habe. Von Aufgabe zu Aufgabe ist man gewachsen.

A.M.: Na dafür bist du aber immer noch nicht sehr groß. (Beide lachen)

S.T: Die geistige Größe ist gewachsen und hat die Krankheit schrumpfen lassen.

Heute bin ich soweit, dass ich noch einige Aufgaben zu erfüllen hab. Die Therapie ist zu ende, aber ich werde sie für mich zu ende bringen, egal wie lange es dauert. Heute geht es mir gut.

A.M: Wie ist deine Frau damit umgegangen?

S.T: Sie hat mir geholfen weil sie zu mir gehalten hat auch in schweren Tagen, es währe einfacher gewesen für sie, sie hätte mich einfach verlassen. Heute ziehen wir an einem Strang und meistern kleine Probleme sofort gemeinsam. Selbst Kleinigkeiten werden im Keim erstickt.

A.M: Wie steht deine Frau zum Nacktsein?

S.T: Kein Problem. Inzwischen machen wir auch zusammen Naturisten Urlaube und selbst meine Kinder genießen es und fragen missmutig: Müssen wir da ne Badehose anziehen?

A.M: Gibt es etwas wo deine Frau mit dran gewachsen ist?

S.T: An der Experimentierfreudigkeit ist sie mit gewachsen.

A.M: Wie würdest du jetzt dein Leben beschreiben?

S.T. Glücklich, perfekt, besser kann es nicht werden.

A.M: Du bist aber noch selbstständig?

S.T: JA, hab immer noch soviel Arbeit, nichts hat sich geändert, nur dass ich jetzt besser damit umgehe.

A.M: Was denkst du, warum gehst du damit nun besser um, obwohl du es nie gelernt hast?

S.T:: Ich kenn meinen Körper besser wie früher, ich kenne meine Signale, die kann ich jetzt viel besser einschätzen und dagegen steuern.